Das Leben der orthodoxen
Christen wird
im hohen Maße bestimmt durch die Verehrung der Ikonen. Durch das ganze Jahr
werden die Menschen geleitet von Heiligen, die mit der Heilslehre von Jesus Christus
verbunden sind. Das Küssen und Berühren von Ikonen ermöglicht die Verbindung zu Jesus,
Maria, den Engeln und Heiligen.
Zur Geburtsstunde des Christentums gibt es weder eine byzantinische noch eine spezifisch
christliche Kunst, sondern lediglich vereinbarte Erkennungszeichen zwischen den ersten
Christen, die wegen der ständigen Verfolgung durch die Römer gezwungen sind, im Untergrund zu leben.
Die am häufigsten Symbole sind

der Fisch für Jesu.
Das Wort "ICHTHYS" bedeutet im Altgriechischen "FISCH"
und stellt die Anfangsbuchstaben der Worte "
IESOS
CHRISTOS
THEOU
YIOS
SOTER" dar.
(Jesus Christus Gottes Sohn Retter)

Ein anderes Symbol ist der Pfau, der für Unsterblichkeit steht;

der Anker oder das Boot galt als Ausdruck christlicher Hoffnung;

die Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel ist das Zeichen des Hl. Geistes.

Der Gute Hirte
mit dem Schaf auf seinen Schultern stellt den Erlöser
Christus dar, mit der von Ihm geretteten Seele.
Dieses Symbol findet sich sehr häufig auf Fresken, Sarkophag-Reliefs und als Statue,
außerdem findet es sich eingeritzt in Grabplatten.

Kaiser Konstantin und Licinius, dem Herrscher im Osten des Reiches vereinbaren im Februar 313
in Mailand, freie Religionsausübung für Christen. Somit wurde das Christentum den anderen Religionen gleichgestellt.
Konstantin gab den christlichen Bischöfen richterliche
Befugnisse und setzte 321 den Sonntag als den wöchentlichen Feiertag fest.
Jahrzehnte später wurde unter Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion erhoben.
Da erst
verlassen die Gläubigen den Untergrund und
erst jetzt entstehen Ikonen, Fresken, Mosaiken, die von der Gegenwart Gottes zeugen und
die heiligen Apostel und Märtyrer darstellen.
Zu Beginn des 8. Jhdts. kommt es zur Krise und die byzantinische Kunst muss nie wieder gut zu machende Verluste hinnehmen.
Im Jahre 726 untersagte Kaiser Leon III. den Gebrauch von Ikonen, d.h. von Heiligenbildern, indem er diesen Kult als Götzendienst,
Gotteslästerung
und Ketzerei verurteilte. Die Mosaiken und Ikonen wurden fast völlig zerstört;
die Fresken wurden übermalt. Die ältesten erhaltenen Ikonen aus dem 6. Jahrhundert befinden sich im Katharinenkloster/ Sinai.
Ihre tiefste Begründung hat die Ikonenmalerei in der Menschwerdung Jesu Christi.
Diese Verankerung hat auch zur Überwindung der Bilderstürmer, der Ikonoklasten, beigetragen,
die sich auf das alttestamentliche Bilderverbot beriefen. Dieses bezieht sich auf die Nichtdarstellbarkeit
des göttlichen Vaters. Mit der Menschwerdung Jesu Christi ist jedoch eine neue Lage gegeben.
Der Kirchenvater Johannes Damascenus lieferte das entscheidende Argument. Er schrieb:
„In alter Zeit wurde Gott, der keinen Körper und keine Gestalt besitzt, bildlich überhaupt nicht dargestellt.
Jetzt aber, da Gott im Fleisch sichtbar wurde und mit den Menschen umging, kann ich das an Gott sichtbare Bild darstellen.
Ich bete nicht die Materie an, sondern ich bete den Schöpfer der Materie an, der um meinetwillen selbst Materie wurde ...
Und ich werde nicht aufhören die Materie zu verehren , durch die meine Rettung bewirkt ist ...“ (PG XCIV,1245 ).
Am 19. Februar 843 nach fast anderthalb Jahrhunderten gemeiner und brutaler Kämpfe, endete
der Streit mit dem Sieg der Bilderverehrer.
Nun beginnt eine Hochblüte der Malkunst bis zum Ende des byzantinischen Reiches 1453.
Aber die Griechen haben nie aufgehört Ikonen zu malen und auch heute gibt es in Griechenland
Menschen, die die Tradition fortführen.
Ikonen werden nach sehr strengen Regeln, nach Vorlagen, die sich seit den ersten
Jahrhunderten kaum verändert haben, hergestellt, denn sie gelten als geoffenbarte
Bilder und wurden aus diesem Grunde immer wieder unverändert kopiert.
Auch Dimitris Papaioannou malt so wie seine Vorfahren mit Erdfarben, die mit Eidotter
und Essig verrührt werden, auf sehr altem Holz, zum Teil bis 200 Jahre alt und mit 23
karätigem Gold unterlegt.